Die gegenseitige Anerkennung von Berufsausbildungsabschlüssen in der EU

Als die EU – damals noch EWG- 1957 gegründet wurde, war man sich einiger Problematiken die mit der neuerworbenen internationalen Freiheit einhergingen noch nicht gänzlich bewusst.

Durch eine rege Migration zwischen den nun grenzlosen Ländern kam es recht bald zu juristischen Streitigkeite, die Anerkennung der diversen Berufsqualifikationen betreffend. Die EU unternahm eine erste Regulierung 1985 mit dem „Verfahren über die Entsprechungen der beruflichen Befähigungsnachweise I zwischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaften“.

Um eine Vereinheitlichung zu ermöglichen nahm man Bezug zu der vom Internationalen Arbeitsamt entwickelten Differenzierung der beruflichen Qualifikationen. Dieses hatte schon früher eine Unterteilung der Abschlüsse in fünf Stufen eingeführt. Beginnend mit den ungelernten Tätigkeiten über Stufe 2, die eine abgeschlossene Qualifizierung für eine bestimmte
Tätigkeit und die Beherrschung der entsprechenden Geräte und Verfahren
vorrausetzt hin zu Stufe 3. Diese setzt einen Pflichtschulabschluss oder Berufsausbildung und zusätzliche Fachausbildung und Qualifizierung voraus.
Stufe 4 entspricht dem Besuch einer Allgemein- oder berufsbildenden Sekundarschule und anschließender Fachausbildung. Die Letzte Option, Stufe 5, schließt das Erfolgreiche abschließen der Allgemein- oder berufsbildenden Sekundarschule und einer höheren Ausbildung ein.

Kritik wird dabei häufig an der strukturellen Benachteiligung der dualen Ausbildung geübt.
Häufig werden ähnliche schulische Berufsabschlüsse nämlich der höheren Stufe 3 zugeordnet. Obwohl diese dort bestimmte formale Eingangsvorrausetzungen erfüllen sorgte diese Diskrepanz für häufige Diskussionen in der Berufsbildungspolitik. Trotz allen Reglementierungen und Lockerungen gibt es eine Anerkennung der gegenseitigen formalrechtlichen Qualifikationen in der EU ausschließlich für Berufe deren Erreichen auf einem Abschlusszeugnis basiert. Diese „regulierten Berufe“ sind beispielsweise Arzt, Pflegeberufe, Rechtsanwälte oder Lehrer und Elektriker.

Dabei ist zu beachten das die Anzahl der regulierten Berufe je nach Mitgliedstaat stark schwankt. Einige Berufe sind in bestimmten Staaten reguliert, in anderen aber nicht. Die Anerkennung mancher deutscher Facharbeiterberufe gilt zum Beispiel nur für Österreich und Frankreich. Alle anderen Berufsbildungsabschlüsse finden aber ebenso in Europa keine Anerkennung. Als Faustregel gilt jedoch, dass mehr auf die Bedeutung eine Abschlusses im Ausland geachtet wird als dessen eigentlicher formalrechtlicher Stellenwert womöglich zulässt.