Die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen in der EU

Die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen in den EU-Mitgliedsstaaten war lange Zeit ein großes Problem. Die an den Hochschulen verschiedener Staaten erlangbaren Abschlüsse unterschieden sich sowohl in ihren Bezeichnungen als auch in den inhaltlichen Anforderungen.

Dieses Defizit wurde jedoch von den Bildungsministern zahlreicher Mitgliedstaaten erkannt und angegangen. Die Arbeit an einem einheitlichen System steht laut Zeitplan kurz vor ihrem Ende. Bis 2010 sollen alle Studienabschlüsse, welche in der EU erworben werden können vergleichbar und gegenseitig anerkennbar sein.

Bereits im April 1997 wurde das sogenannte Lissabon-Abkommen unterzeichnet. Dabei legten der Europarat und die UNESCO eine prinzipielle Anerkennung innerhalb der Unterzeichnerstaaten fest.

1998 folgte die Sorbonne-Erklärung der Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich. Erstmals wurde die Einrichtung eines Kreditpunktesystem gefordert, welches die Anerkennung erbrachter Studienleistungen und Abschlüsse vereinfachen soll.

Seit 1999 läuft nun der Bologna-Prozess. Dieses Abkommen wurde ursprünglich von den Bildungsministern 29 europäischer Staaten unterzeichnet, die Zahl der teilnehmenden Staaten hat sich jedoch bis heute auf 46 erhöht.
Der Bologna-Prozess soll die Mobilität der Studienabgänger, die Beschäftigungsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU verbessern. Im Abstand von 2 Jahren finden seit 1999 Treffen der Bildungsminister statt, um das Erreichte zu diskutieren und Ziele festzulegen.

Eine wichtige Neuerung ist die Einführung des European Credit Transfer System, kurz ECTS. Dieses macht die erbrachten Studienleistungen international vergleichbar. Um einen ECTS Punkt zu erlangen muss vom Studierenden ein Lernaufwand im Umfang von 25 bis 30 Stunden erbracht werden.

Um einen bestimmten Studienabschluss zu erlangen muss nun die dazu geforderte ECTS Punktzahl durch Prüfungen, Seminararbeiten, Referate etc. innerhalb der Studienzeit erreicht werden. Nachdem nun in allen teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten die Abschlüsse auf das Bachelor- und Mastermodell umgestellt wurden, können auch die zu erbringenden Punktzahlen einheitlich festgelegt werden.

Für einen Bachelorabschluss, welcher eine Studiendauer von 6 Semestern vorsieht, werden 180 bis 240 ECTS Punkte (auch Credits genannt) benötigt. Dieser Studiengang ist in Zukunft verpflichtende Vorraussetzung um einen Masterabschluss (3-4 Semester) zu erlangen. Hierzu werden 90 bis 120 Credits fällig. Für die Erlangung eines Doktortitels gibt es keine ECTS Regelungen.

Durch die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse und das damit einhergehende Creditpoint-System soll die gegenseitige Anerkennung der Studienabschlüsse innerhalb der EU gewährleistet werden.

Planungsgemäß wird der Bologna-Prozess bis 2010 abgeschlossen sein.

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